Die Löffel-Theorie – Was chronische Erkrankungen mit Löffeln zu tun haben

Blogbeitrag Löffel-Theorie

Chronisch krank?

Mit einer chronischen Erkrankung zu leben, ist häufig nicht einfach: Schmerzen und Einschränkungen sind Teil unseres Alltags. Erschwerend kommt hinzu, dass man unserem Körper von außen nicht ansieht, womit wir jeden Tag zu tun haben. Denn anders als z.B. ein gebrochenes Bein hat eine chronische Erkrankung häufig keine oder zumindest keine deutlich sichtbaren äußerlichen Merkmale. Das, was man im Außen sieht, reflektiert nicht, wie wir uns im Inneren fühlen und wie es uns geht. Aus unserem Umfeld begegnet uns daher häufig Unverständnis. „Aber du siehst gar nicht krank aus“ – diesen Spruch hat fast jeder von uns schon einmal gehört.

Wie erklärt man also einem Gesunden oder einem nicht chronisch Kranken, wie sich das Leben mit einer chronischen Erkrankung anfühlt?

 

Die Spoon- bzw. Löffel-Theorie

Ein Gesunder macht sich keine Gedanken über die Menge an Energie, die er an einem Tag zur Verfügung hat, und wie er diese Energie verwendet. Er hat einfach genug Energie.

Die Energie eines chronisch Kranken ist dagegen häufig begrenzt. Ein chronisch Kranker muss mit seiner Energie den Tag über sehr sorgsam umgehen, sonst kann es im Laufe des Tages passieren, dass nicht mehr genügend Energie da ist, um den restlichen Tag zu bewältigen. Aber wie kann man das jemandem erklären, der weniger sorgsam mit seiner Energie umgehen muss?

Die Amerikanerin Christine Miserandino hat in so einer Situation die sog. Spoon-Theory oder zu deutsch Löffel-Theorie entwickelt. Während eines Restaurant-Besuchs mit einer Freundin, kam die Frage auf, wie man sich das Leben als chronisch Kranke anfühlt. Christine, die selbst an der Autoimmunerkrankung Lupus erkrankt ist, nahm daraufhin sämtliche Löffel vom Nachbartisch und erklärte ihrer Freundin, dass ein chronisch Kranker an jedem Tag eine bestimmte Menge an Löffeln zur Verfügung hat.

Schon jede normale Tagesaktivität – Aufstehen, Duschen, Essen zubereiten, Arbeiten, bis hin zum Schlafengehen – verbraucht einen oder mehrere Löffel. Die Menge an Löffeln, die am Tag zur Verfügung steht, ist nicht jeden Tag gleich, sondern abhängig von verschiedenen, individuellen Faktoren: wie dem jeweiligen Gesundheitszustand, der Wirkung der eingenommenen Medikamente, aber auch der emotionalen Verfassung, dem Stress-Level, der Schlaf-Qualität und den Aktivitäten des Vortages oder sogar mehrerer vorangegangener Tage.

Es gibt Tage, an denen man mehr Löffel zur Verfügung hat, und Tage, an denen man weniger Löffel hat, aber immer ist die Anzahl der Löffel begrenzt. Und: Wir haben vorab keine Idee, wie viele Löffel uns für den betreffenden Tag zur Verfügung stehen. Jeder von uns muss mit seiner Energie über den Tag sehr sorgsam umgehen und Löffel bzw. Energie einsparen, wo immer möglich.

 

Was passiert, wenn die Löffel an einem Tag verbraucht sind?

Dann kannst du dir manchmal Löffel vom nächsten Tag leihen. Das führt aber dazu, dass dir am nächsten Tag noch weniger Löffel zur Verfügung stehen und die nächsten Tage schwieriger werden. Auf längere Sicht kann das unter Umständen größere Auswirkungen bis hin zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands haben. Manchmal funktioniert das Leihen von Löffeln aber auch nicht mehr, dann hilft nur noch Ruhe. An diesen Tagen ist man dann zu keiner weiteren Aktivität in der Lage, da sämtliche Energiereserven verbraucht sind.

Als chronisch Kranker muss man sich dann mangels Löffeln bzw. Energie häufig zurückziehen und meidet soziale Aktivitäten. Dieser Zustand ist für sich schon nicht besonders schön, aber er führt zusätzlich noch dazu, dass das Gefühl des ausgegrenzt Seins und der sozialen Isolation zunimmt.

 

Woher weißt du, wie viele Löffel eine Aktivität verbraucht?

Auch hier gibt eine keine generelle Regel. So wie Menschen allgemein Aktivitäten leicht oder schwer fallen – für den einen ist Kochen eine Erholung, für den anderen eine sehr unbeliebte und schwierige Tätigkeit, so ist das auch mit den vorhandenen Löffeln. Ein chronisch Kranker verbraucht für ein Treffen mit Freunden vielleicht 4 Löffel, während ein anderer nur 2 Löffel für die gleiche Aktivität benötigt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, wie viele Löffel welche Aktivität benötigt und auch wie viele Löffel man für den jeweiligen Tag zur Verfügung hat. So habe ich dann meine eigene Löffel-Liste erstellt.

 

Mache dir auch eine Löffel-Liste!

Ich habe im Laufe der Zeit Aktivitäten identifiziert, die Löffel-neutral sind oder sogar auf mein Löffelkonto einzahlen (oder sollte ich sagen, meine Löffel-Schublade füllen?) und so eine Liste mit Energie-Spendern. So gibt mir z.B. ein Gespräch mit einer Freundin mehr Energie und auch bei moderatem Sport oder Yoga verbrauche ich keine Löffel, sondern der Sport trägt dazu bei, dass ich an den Folgetagen mehr Löffel zur Verfügung habe. Aber das ist sehr individuell und hängt auch von der Art der chronischen Erkrankung ab.

Schreibe dir auf, was dir Energie gibt. Dinge, die dir guttun, wie z.B. eine Massage oder ein Bad, aber auch Menschen, die dir Energie geben und die du anrufen oder treffen kannst.

 

Die Löffel-Theorie im beruflichen Kontext

Gerade auch im beruflichen Kontext können viele Aktivitäten oder Ereignisse auftreten, die besonders viele Löffel verbrauchen – ein Konflikt mit dem Chef oder mit Kollegen, Zeitdruck, Urlaubsvertretung, Überstunden…

Hier kann es hilfreich sein, wenn du durch eine von dir erstellte berufliche Löffel-Liste schon vorher identifiziert hast, welche „Gefahren des Löffel-Verlusts lauern“, und bereits vorab klare Strategien entwickelt hast, wie du mit übermäßigem Löffel-Verlust umgehen kannst.

Gerade im beruflichen Kontext ist ein wichtiger Aspekt die eigene Planung: Plane deine Arbeit – wenn möglich – so, dass du sie auch schon z.B. vor dem Abgabedatum fertigstellen kannst, denn manchmal kann die Einhaltung einer zu knapp gelegten Frist schwierig werden, wenn man z.B. an dem letzten Tag der Frist Schmerzen hat oder gar nicht in der Lage ist zu arbeiten. Versuche, die Arbeit so zu legen, dass es mit der Krankheit in Einklang zu bringen ist – d.h., wenn du eher abends Schmerzen hast, dann wäre es hilfreich, die Arbeit möglichst früh am Tag zu erledigen.

 

Wie kann uns die Löffel-Theorie helfen?

Die Löffel-Theorie kann uns helfen, unserem Umfeld zu erklären, wie es sich anfühlt, mit einer chronischen Erkrankung zu leben, sie ist aber immer wieder eine gute Erinnerung für uns selbst – damit wir bewusste Entscheidungen treffen und unsere Löffel sinnvoll verwenden.

Es geht auch um die eigene Fähigkeit sich einzugestehen, dass man nicht alles schafft, dass man nicht die gleiche Energie zur Verfügung hat, wie ein Gesunder und dass man daher häufig nicht mithalten kann.

Aber wichtig ist auch zu bedenken: Die Anzahl der Löffel, die du zur Verfügung hast, bestimmt nicht, wer du bist. Der bewusste Umgang damit und die richtige Einstellung können dir ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

Nach der Löffel-Theorie bzw. Spoon-Theory bezeichnen sich weltweit chronisch Kranke manchmal selbst auch als „Spoony“ bzw. „Spoonies“.  Diese Bezeichnung sorgt auch für eine weltweite Vernetzung und den Austausch.

Fühlst du dich angesprochen, möchtest du mehr darüber erfahren, wie du besser mit deiner Energie haushalten und vor allem die besonderen Herausforderungen für uns im beruflichen Alltag planen kannst?

Dann sprich mich gerne an.

Britta Dohr Coaching
Bussardweg 12, 47804 Krefeld
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